
Das sind die Tage. Diese Tage, wo du in der Früh aufwachst, aus dem Fenster siehst und irgendwie weißt, dass irgendwas im Busch ist. Man kann es nicht erklären, denn eigentlich war für den heutigen Tag mental gar keine Fischerei eingeplant. Der volle Terminkalender sprach auch eine deutliche Sprache dagegen. Was hätte ich nicht alles zu erledigen, doch dunkle, unsichtbare Mächte zwingen mich den allzeit bereiten Quiver zu schultern und mich auf den Weg in den vielzitierten Busch zu machen. Die Macht ist stark. Ich kann nicht anders. BeaverBunch - what else...

Die letzten Serienblanks führe ich ganz einfach darauf zurück, dass ich ja die so genannte "Sau oder Nichts-Taktik" fahre, da ich mittlerweile doch schon vom Brachsen -u. Satzlerfang mehr als befriedigt bin. Also kommt eine beinharte, etwas abgeschälte 30er Drachenblutmurmel ans Haar und wird an den vermeitlich bissträchtigen Stellen versenkt und bis zum Heimgehen oder Moven nicht mehr angerührt. Dazu ein paar ebensolche Murmeln einzeln oder mit der Schleuder hinzugefüttert und aus. An solch einem Gewässer ist der geistige Kampf mehr als beinhart, wenn man 2m
neben seiner Falle quadratmetergroße Blasenteppiche erspäht und die Mühle aber partout nicht ablaufen will. Hätte ich mit einer 20er gefangen? Oder hätte der klassische Schneemann doch mehr Aufmerksamkeit erregt? Sind die 30mm doch zu präpotent? Nein. Keine Schmerzen. Will ich das Schwein, muss ich bluten. Zeitmässig. Das ist meine selbstgezimmerte Logik. Ein 5kg Fisch macht mir zwar auch Freude, aber jetzt will ich die Sau. Ich hab sie verdient. Wenn nicht ich, wer dann? Red´ ich mir zumindest ein. Aber dieser Gedanke ist kontraproduktiv. Wenn man sichs dermaßen herbeizuzwingen versucht, passiert es nicht. Verdammt. Ich kann meinen Geist nicht ins Nichts stellen. Ich bin eine Hure meiner Selbst. So ist es. Aber ich hab´s doch in der Früh gespürt. Vielleicht werde ich einfach alt. Meine Kräfte lassen nach. Nein, das darf nicht sein. Ich bin noch nicht so weit ...

Da versucht man sich dann etwa mit Enten-Dressur die Stunden zu vertreiben und sich einzureden, dass man auch so glücklich vom Wasser heimfahren kann. So ganz ohne Fisch. Man war draussen an der guten Luft, konnte am wilden, animalischen Leber der Natur teilhaben und sich über das Leben freuen. Es muss dir einfach egal sein, ob die Leine von der Rolle gezogen wird oder nicht. Dir muss es völlig Schnuppe sein, ob dein Bissanzeiger die akustische Kunde vom Monsterablauf trällert oder auch nicht. Einfach sitzen, warten und genießen. Neeeeeeeeeein. Ich kann es nicht. Was ist nur los mit mir? Ich brauche den Riesen-Saugdeppen wie einen Bissen Brot. Warum? Ich weiß es nicht. Vermutlich nur um mir wieder mal selbst zu beweisen, dass manche Phantomfische nicht nur die Hingespinste alter Männer sind? Sie sind da draussen. Ich weiß es. Irgendwie weiß ich es. Doch mittelerweile klebe ich schon wieder 6 Stunden am Sattel, wart auf die nicht eintretende Action und erste trübe Gedanken machen sich wie klebrige Spinnweben in meinem Denkapparat breit. Fahr ich wieder blank heim? Ja, sieht ganz so aus. Ich bin ja Realist. Hätte ich doch neu werfen und die Primitiv-Montage kontrollieren sollen? Bin ich in meiner Fischerei möglicherweise zu grobmotorisch geworden? Zu pragmatisch? Zu stur? Zweifel nennt man diese finsteren Mentalgesellen. Doch ich bin ein Hirn-Veteran und hab schon so manche Geistesschlacht ausgefochten. Nein, ich beharre weiter auf meinem System. Ich glaube daran. Das ist mehr wert als jeder erdenkliche Lösungsansatz. Probieren ... zzz ... ich scheiss aufs Probieren. Das ändert nichts. Es kann nur so funktionieren. Alles oder nichts. Und da passiert es. Wie aus dem Nichts. Es ist halbzwei am Nachmittag. Erste Töne dringen sirenengesangsgleich mit Fanfaren an meinen Gehörgang und ich sehe den orangen Hanger ganz langsam Richtung Blank kriechen. Die Bremse schafft es dreimal kurz zu tackern, als ich am Stock bin. Langsam nehme ich den Knüppel von den Sticks, der bei Kontakterhöhung sofort in die Knie geht. JOOOOOOOOOOO! Das ist ein Guter. Tack, tack , tack. tack ... schleichend aber bestimmend muss die Ultegra unwillig Leine lassen und ich befinde mich ansatzlos mitten im Kampf mit einem bösartigen Gegner. Die Zeit steht still. Dein Geist ist frei. Nur du, der gekrümmte Stock in deinen Händen und der offensichtlich bessere Saugdepp am anderen Ende des Bandes. Rundherum kann die Welt untergehen. 20 Minuten vergehen als ich zum ersten Mal den dunklen Schatten erkennen kann, der da vor mir im dichten Unterwassergrün nicht wahrhaben will, dass er da wohl einen Fehler gemacht hatte. Ja, bist du deppat! Monsteralarm. Ohne wirklich nachzudenken, drehe ich instinktiv die Bremse etwas auf, um jetzt ja keinen Schlitzer zu provozieren. Ich ertränke mich ansatzlos dort im Sumpf, wenn ich das Schwein jetzt verliere. Aber nein. Mein 08/15 NoKnot klebt im Maul des Schweines, wie es besser nicht sein kann und ich kann tatsächlich wenige Minuten später ein dunkles Schuppenmonster in die Keschermaschen zwingen, welches mit seinen Ausmassen alle meine Hoffnungen und Eventualitäten pulverisiert hatte. Nein, damit hatte ich jetzt nicht unbedingt gerechnet. Ja, bist du denn gelähmt. Muahahahahahaha - am liebsten hätte ich die alte, fette Frau mit ihrem kleinen Rattenhund, die soeben den Wanderweg passiert, wild umarmt und jauchzend jubeliert, was ich in Anbetracht des gewaltigen Schuppentieres in meiner Matte dann doch nicht getan habe. Persönlich absoluter Rekordfisch an dieser Lacke. Bloss so. Es war einfach zu unwirklich. Zu fantastisch. Zu glorreich ...



Tja, dem war eigentlich nichts hinzuzufügen und ich brauche nicht extra erläutern, dass ich danach erstmal das soeben Erlebte noch eine halbe Stunde am Wasser auf mich wirken lassen musste bevor ich überhaupt zu einer weiteren Aktion meinerseits fähig war, das Display der Kamera mit meinem Speichel wohl schwerstens zugegeifert habe, um danach die Heimreise anzutreten. Da brauchst du nicht mehr weiterfischen. Mein System ist aufgegangen. Ich hab´s gewusst. Zeit und Glaube sind das magische Duo des ganzen Zaubers. Hehe. Und ich werde mein Spiel weiterspielen. Vielleicht gibts ja noch einen Ärgeren. Wer weiß, was die dunklen Buschwasser noch so verbergen. Jawohl. Die Phantomjagd kann weitergehen. Irgendwann wird es wieder passen und ich den Glanz des Zeitstillstandes auszunutzen vermag. Ich weiß es. Ich spüre es ...
tight lines
Sludge